Kunstakademie Düsseldorf – Rundgang 2016

Seit viereinhalb Jahren lebe ich in Düsseldorf – und noch nie habe ich es zum alljährlichen Rundgang der hiesigen Kunstakademie geschafft. Woran das liegt? Mir doch egal.

Wenn man die Kunstakademie betritt, sieht man jedenfalls sofort, wohin das überdurchschnittlich viele in der Stadt vorhandene Geld hinfließt: nicht in die Akademie. Zumindest nicht in die Instandhaltung der heiligen Kunsthallen. So schön das Gebäude von außen ist, so sehr macht es von innen den Eindruck, als müsse mal dringend wieder jemand – pardon the Wortwitz – mit Farbe durchgehen. Ein wenig mehr Licht könnte auch nicht schaden.

Vielleicht gehört es aber auch ganz einfach zum Konzept, die Professoren wie Studenten gleichermaßen in deprimierender Tristesse gefangenzuhalten, auf dass sie sich gegenseitig mit wachsendem Ungemach und gesteigerter Misanthropie in künstlerische Welten peitschen, die nie zuvor ein Mensch sehen wollte gesehen hat. Zumindest die Betrachtung der exponierten Machwerke im Erdgeschoss vermag es nicht, diesen Gedanken aus meinem Kopf zu verbannen.

A propos Konzept: Zu eben jenem scheint es ebenfalls gehören, sämtliche – in jedem Ausstellungsraum/Atelier vorhandenen – Waschbecken mit leeren KöPi-Pullen zu überhäufen und daneben idealerweie gleich noch Türme aus Bierkästen zu bauen. Eine raumübergreifende Installation, die eine von Alkoholismus und dumpf-tumbem Gedankengut geprägte Jetztzeit auf dem Niveau der draußen lärmenden Altstadt-Besucher thematisieren möchte? Die Überbleibsel der allabendlichen Gelage der Kunststudenten und -studentinnen, nachdem sie, träge in der Ecke hockend und Zigarette rauchend, einen weiteren Tag voller dahinmarodierender Möchtegern-Kunstkritiker wie mich ertragen haben? Oder doch nur der verzweifelte Versuch, den vermeintlichen Sponsor der Veranstaltung händeringend irgendwie “sinnvoll” in das Gesamtkonzept der Ausstellung zu integrieren?

Man weiß es nicht.

Genau so wenig, wie man weiß, warum die Präsentation der Arbeiten stellenweise so lieblos wirkte. Manch einer hat sich wahrlich Mühe gemacht, Flyer gedruckt, Postkarten und Poster gestaltet und ausgelegt, auf dass möglichst viel Information rüberkommt und/oder vom Künstler und seinem Werk hängenbleibt. Bei anderen wiederum fanden sich höchstens beiläufig hingeschluderte, handschriftlich vermerkte Zettel an der Eingangspforte des jeweiligen Ausstellungsraumes. Spätestens die Präsentation der Kunstwerke auf den Fluren ließ einen stellenweise ein wenig ratlos zurück, waren doch Abfallbehälter und Kunstwerk, Verpackung und Inhalt von Zeit zu Zeit nur schwerlich auseinanderzuhalten. Ist das Kunst oder kann das schon weg? In diesem Fall ausnahmsweise wirklich mal eine berechtigte Frage!

Im Erdgeschoss des Hauptgebäudes der Akademie jedenfalls fanden sich überwiegend… Skulpturen? Installationen? Oder wie nennt man von der Decke hängende Zweige, an einen Stahlträger genagelte Äste und an Seilen baumelnde Ziegelsteine noch gleich? Ist ja auch egal. Bei der mit einer Holzbohle an die Wand gepinnten Matratze hingegen musste ich lachen. Endlich mal ein Künstler mit Humor nach meinem Geschmack! Mehr davon!

Ein Hoch auch auf das 1. Stockwerk, mit seinen vielen Bildern, Malereien, Illustrationen etc. Sowas ist dann doch schon eher mein Fall. Hübsch bunt, aber auch farbenfroh. Ich mag es ja, wenn man Kunst genau so auch einfach bei Ikea kaufen könnte.

Eine Empfehlung bleibt der Rundgang indes allemal. Sicherlich auch im nächsten Jahr. Denn für dieses Jahr hat die Akademie ihre Pforten wieder geschlossen, auf dass die darin beheimateten Künstlerköpfe (muss es gendergerecht jetzt eigentlich auch “und -köpfinnen” heißen?!) bloß nicht entfleuchen sich auf ein weiteres mit Peitschen aus KöPi-Flaschenetiketten die Hirne wundprügeln. Prost!

Disclaimer: Achtung, dieser Artikel enthält Ironie und kann Spuren von Eiern und/oder Nüssen enthalten. Aus Gründen der künstlerischen Freiheit wird jedoch nicht verraten wo. Soll ja schließlich eine Überraschung sein. Ansonsten geht es hier jedoch zu einhundert Prozent biologisch und glutenfrei zu und darf gerne auch dem Bauern von nebenan empfohlen werden. Irina mit den aufgespritzen Lippen gibt jedenfalls einen äußerst eregierten Daumen nach oben, während sie mit dem Lamborghini ihres Göttergatten über die Kö dübelt und darüber sinniert, welchen Banksy sie heute Abend abnimmt, um demnächst die Matratze angemessen im Wochenendloft zur Schau zu stellen.

Die hier präsentierten Bilder finden jedoch nicht nur Irina und ihr Stallbursche prächtig, sondern auch ich. Ganz ehrlich! Wenn es nach mir ginge, hätte ich tatsächlich gerne das eine oder andere Bild mit nach Hause genommen. Vielleicht sollte ich einfach auch endlich mal irgendwo reich einheiraten.

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